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Wasser ist der Teil der Krisenvorsorge, bei dem am wenigsten Spielraum bleibt. Ohne Nahrung kommt ein gesunder Mensch Wochen aus, ohne Wasser wenige Tage. Gleichzeitig ist Trinkwasser das Einzige im Haushalt, das sich nicht ersatzweise beschaffen lässt, wenn das Netz einmal steht: Der Supermarkt ist beim ersten Anzeichen einer Störung als Erstes leergekauft.
Die gute Nachricht ist, dass ein belastbarer Wasservorrat weder teuer noch aufwendig ist. Für einen Vier-Personen-Haushalt reichen rund 20 Euro und ein Nachmittag. Diese Anleitung zeigt dir die Mengen, die richtigen Behälter, wie du Wasser über Monate haltbar machst und was passiert, wenn der eigene Vorrat aufgebraucht ist.
- Das BBK empfiehlt 2 Liter pro Person und Tag für 10 Tage, also 20 Liter je Person. Darin sind 1,5 Liter zum Trinken und 0,5 Liter zum Kochen enthalten.
- Hygiene ist in diesen 2 Litern nicht eingerechnet. Plane zusätzlich rund 10 Liter Brauchwasser pro Person ein.
- Ungeöffnetes Mineralwasser hält je nach Flasche 12 Monate bis mehrere Jahre, selbst abgefülltes Leitungswasser ohne Behandlung nur wenige Wochen.
- Silberionen konservieren rund 6 Monate, töten aber keine Viren ab. Nur Chlorpräparate entkeimen aktiv.
- Der Bund hält über 5.200 Trinkwassernotbrunnen vor. Sie sind für den Zivilschutzfall gedacht, nicht für den Alltag.
Wie viel Wasser brauchst du wirklich?
Ein Bundesbürger verbraucht im Alltag durchschnittlich 127 Liter Wasser pro Tag. Duschen, Toilettenspülung und Waschmaschine machen den Großteil davon aus. Für den Notfall geht es um eine völlig andere Größenordnung: Es zählt nur noch, was zum Überleben und für die grundlegende Hygiene nötig ist.
Interessant ist, dass es dafür drei verschiedene amtliche Zahlen gibt, die oft durcheinandergeworfen werden. Sie beantworten unterschiedliche Fragen.
Die 2 Liter des BBK sind die Empfehlung für deinen privaten Vorrat. Sie decken Trinken und Kochen, ausdrücklich nicht die Hygiene. Die 15 Liter stammen aus § 2 Absatz 1 der Ersten Wassersicherstellungsverordnung und beschreiben, was der Staat im Zivilschutzfall über die öffentliche Notwasserversorgung bereitstellen muss. Diese Menge schließt Hygiene mit ein. In einer extremen Lage lässt sie sich auf den reinen Trinkbedarf von rund 2,5 Litern absenken.
Halte Getränkevorräte für mindestens 10 Tage bereit, gerechnet mit 2 Litern pro Person und Tag. Davon entfallen etwa 1,5 Liter auf das Trinken und 0,5 Liter auf das Kochen. Neben Mineralwasser zählen auch Fruchtsäfte und andere lagerfähige Getränke zum Vorrat. Prüfe den Bestand regelmäßig und verbrauche nach dem Prinzip "Einlagern und Aufbrauchen".
Wer älter als 65 Jahre ist, braucht laut Bundeszentrum für Ernährung bereits 2 Liter allein zum Trinken. Auch bei Hitze, Krankheit, Schwangerschaft oder körperlicher Arbeit liegt der Bedarf deutlich höher. Die BBK-Zahl ist ein Minimum für den Durchschnittsfall, keine Zielgröße.
Rechne mit 3 Litern statt 2 Litern pro Person und Tag. Der Aufpreis ist minimal, denn Wasser kostet im Supermarkt wenige Cent pro Liter. Der Unterschied zwischen einem knappen und einem komfortablen Vorrat entscheidet sich an rund 10 Euro für einen ganzen Haushalt.
Mengen für deinen Haushalt
Für 10 Tage brauchst du 20 Liter Trinkwasser pro Person. Ein Vier-Personen-Haushalt kommt damit auf 80 Liter, also etwa sieben Kästen Mineralwasser oder sieben Kanister zu 12 Litern. Dazu kommt das Brauchwasser für Hygiene, das mit rund 10 Litern pro Person zu Buche schlägt und keine Trinkwasserqualität haben muss.
Der Platzbedarf schreckt viele ab, ist aber überschaubar. 80 Liter in 12-Liter-Kanistern belegen etwa einen halben Quadratmeter Bodenfläche, stapelbar auch weniger. Wer keinen Keller hat, verteilt den Vorrat: unter dem Bett, hinten im Kleiderschrank, in der Abstellkammer.
Behälter: Kanister, Flaschen, Material
Welchen Behälter du wählst, entscheidet darüber, wie lange das Wasser hält. Original verschlossenes Mineralwasser ist die bequemste Lösung, selbst abgefülltes Leitungswasser die günstigste und flexibelste.
Ein Detail, das oft übersehen wird: Kanister müssen ausdrücklich als lebensmittelecht gekennzeichnet sein. Benzin- und Wasserkanister sehen sich äußerlich sehr ähnlich und stehen im Baumarkt oft nebeneinander im Regal. Achte auf das Glas-Gabel-Symbol.
Lagere Kanister und Flaschen niemals in der Nähe von Farben, Lösungsmitteln, Benzin oder Reinigungsmitteln. Kunststoff ist gasdurchlässig und nimmt Gerüche und flüchtige Stoffe auf, das Wasser wird ungenießbar. Ebenso wichtig: kein direktes Sonnenlicht. Licht fördert Algenwachstum und beschleunigt die Alterung des Materials.
Für den Eigenvorrat brauchst du im Kern drei Dinge: lebensmittelechte Kanister, ein Konservierungsmittel für selbst abgefülltes Leitungswasser und für den Ernstfall einen Filter, der Oberflächenwasser trinkbar macht. Achte bei Kanistern auf die Kennzeichnung als lebensmittelecht, bei Filtern auf die angegebene Filterleistung in Litern, sie unterscheidet sich zwischen den Modellen erheblich.
Wasser haltbar machen: vier Methoden im Vergleich
Wasser selbst verdirbt nicht. Es ist eine chemische Verbindung und altert nicht. Was verdirbt, sind die Mikroorganismen darin, die sich mit der Zeit vermehren, und das Material des Behälters. Genau deshalb hält original abgefülltes Mineralwasser Jahre, selbst abgefülltes Leitungswasser dagegen nur wenige Wochen: Beim Abfüllen zu Hause gelangen unweigerlich Keime hinein.
Für die Konservierung gibt es vier gängige Wege, die sich in einem entscheidenden Punkt unterscheiden: Manche halten Keime nur klein, andere töten sie ab.
| Kriterium | Abkochen | Silberionen | Silber und Chlor | Filter |
|---|---|---|---|---|
| Wirkung | Tötet Keime ab | Hemmt Vermehrung | Tötet Keime ab | Hält Keime zurück |
| Gegen Viren | Ja | Nein | Ja | Modellabhängig |
| Haltbarkeit danach | ca. 24 Stunden | ca. 6 Monate | ca. 6 Monate | Sofortverbrauch |
| Braucht Energie | Ja | Nein | Nein | Nein |
| Geschmack | Leicht schal | Neutral | Leichter Chlorton | Neutral |
| Geeignet für | Akuten Verdachtsfall | Sauberes Leitungswasser | Wasser unklarer Herkunft | Oberflächenwasser |
Der wichtigste Unterschied steht in der zweiten Zeile. Silberionen, wie sie in gängigen Konservierungsmitteln stecken, verhindern, dass sich Bakterien vermehren. Sie töten aber keine Viren und keine Einzeller wie Giardien ab. Für einwandfreies Leitungswasser, das du selbst abfüllst, ist das genau richtig und der Grund, warum es keinen Chlorgeschmack gibt. Für Wasser aus einer unbekannten Quelle reicht es nicht, dort brauchst du ein Kombipräparat mit Chlor.
Kombiniere niemals verschiedene Aufbereitungsmittel. Sie können sich gegenseitig neutralisieren oder giftige Gase bilden. Auch eine Nachdosierung von Konservierungsmitteln nach Ablauf der Haltbarkeit ist keine gute Idee: Reste der ersten Dosierung können noch enthalten sein, es droht eine Überdosierung. Wasser lieber austauschen als nachbehandeln.
Kanister vor dem ersten Befüllen und bei jedem Wechsel gründlich reinigen und mit heißem Wasser ausspülen. Dann zur Hälfte mit frischem Leitungswasser füllen, das Konservierungsmittel nach Herstellerangabe zugeben, anschließend vollständig auffüllen. So verteilt es sich gleichmäßig. Nach etwa zwei Stunden ist die volle Wirkung erreicht. Danach kühl und dunkel lagern, der Keller ist ideal.
Wasser aufbereiten, wenn die Leitung ausfällt
Wenn das Gesundheitsamt ein Abkochgebot ausspricht, ist das Leitungswasser mikrobiologisch belastet, meist durch coliforme Bakterien oder Enterokokken. Zum Waschen bleibt es nutzbar, zum Trinken und Kochen erst nach dem Abkochen.
Das Umweltbundesamt empfiehlt, das Wasser einmal kräftig sprudelnd aufkochen zu lassen. Entscheidend ist das Erreichen der Temperatur, nicht eine lange Kochdauer. Ein Wasserkocher genügt.
Danach mindestens 10 Minuten langsam abkühlen lassen, damit die Hitze nachwirkt. Wer sichergehen will, kocht zusätzlich drei Minuten sprudelnd. Eine konkrete Anweisung des Gesundheitsamts hat immer Vorrang.
In ein sauberes, verschließbares Gefäß füllen und kühl stellen. Abgekochtes Wasser nicht länger als 24 Stunden aufbewahren, es ist nicht mehr keimfrei geschützt.
Ein verbreiteter Fehler: Warmwasser aus der Hausleitung zu nehmen, weil es ohnehin erhitzt wurde. Die Temperatur der häuslichen Warmwasserbereitung reicht nicht aus, um Keime abzutöten, und im Warmwasserkreislauf können sich zusätzlich Legionellen bilden. Nimm immer Kaltwasser und koche es selbst ab.
Fällt der Strom gleichzeitig aus, brauchst du eine Kochmöglichkeit ohne Netz, etwa einen Gaskocher. Wie du dich darauf vorbereitest, steht im Ratgeber Stromausfall: was tun.
Wenn der Vorrat leer ist: die öffentliche Notwasserversorgung
Diesen Teil lassen die meisten Ratgeber aus, weil er nichts verkauft. Er ist aber der eigentlich beruhigende: Deutschland hat für den Fall, dass die Leitungsversorgung großflächig ausfällt, ein eigenes, vom Leitungsnetz unabhängiges System.
Der Bund hat über 5.200 Trinkwassernotbrunnen und -quellen geschaffen. Sie liegen überwiegend in Wohngebieten von Großstädten und Ballungsräumen, so verteilt, dass der Weg dorthin zumutbar bleibt, in der Regel zwischen 500 und 2.000 Metern. Ein einzelner Notbrunnen versorgt bei durchschnittlicher Förderleistung und 15 Stunden Betrieb am Tag rechnerisch rund 1.500 Menschen. Für die Desinfektion des geförderten Wassers lagern nach BBK-Angaben etwa 450 Millionen Chlortabletten dezentral verteilt.
Die Trinkwassernotversorgung ist seit 1965 im Wassersicherstellungsgesetz geregelt. Nach § 2 Absatz 1 der Ersten Wassersicherstellungsverordnung sind für den lebensnotwendigen Bedarf in der Regel 15 Liter je Person und Tag zugrunde zu legen. Das Konzept des BBK sieht diese Menge für Trinken, Kochen und Hygiene über mindestens 30 Tage vor.
Trinkwassernotbrunnen sind für den Zivilschutzfall vorgesehen und im Normalbetrieb nicht zur freien Entnahme gedacht. Viele sind verschlossen oder unter Flur verbaut und werden nur im Bedarfsfall durch die Kommune in Betrieb genommen. Außerhalb des Zivilschutzfalls entscheidet das zuständige Gesundheitsamt, ob und unter welchen Auflagen Wasser aus einem Notbrunnen abgegeben werden darf. Du kannst also nicht davon ausgehen, bei einem gewöhnlichen Rohrbruch einfach dort Wasser zu holen.
Trotzdem lohnt es sich zu wissen, wo die Anlagen in deiner Nähe stehen. Im Ernstfall wird über Rundfunk, Warn-Apps und Lautsprecherdurchsagen bekannt gegeben, welche Entnahmestellen geöffnet sind. Wer die Standorte vorher kennt, spart im entscheidenden Moment Zeit und muss sich nicht auf eine funktionierende Internetverbindung verlassen.
In unserem Verzeichnis findest du die erfassten Standorte mit Karte: Notbrunnen in Deutschland sowie öffentliche Trinkwasserquellen und Brunnen. Die größten Bestände liegen in Berlin, Hamburg, München und Frankfurt am Main.
Ehrlich bleiben muss man beim Bestand: Bereits das Konzept zur Trinkwassernotversorgung von 2009 wies einen Fehlbestand von rund 1.000 Brunnen aus, und die Bundesregierung bewertet den vorhandenen Bestand selbst als nicht ausreichend. Das ist kein Grund zur Panik, aber ein guter Grund, den eigenen Vorrat nicht zu vernachlässigen. Ergänzend verfügt das THW über mobile Aufbereitungsanlagen, die bis zu 15.000 Liter verunreinigtes Wasser pro Stunde auf Trinkwasserqualität bringen.
Die häufigsten Fehler
- Vorrat auf mehrere Orte in der Wohnung verteilen
- Kanister mit Abfülldatum beschriften
- Feste Erinnerung alle 6 Monate setzen
- Brauchwasser getrennt vom Trinkwasser lagern
- Eine Aufbereitungsmöglichkeit ohne Strom bereithalten
- Leitungswasser unbehandelt einlagern und vergessen
- Kanister neben Benzin oder Farben stellen
- Nur Trinkwasser rechnen, Hygiene vergessen
- Vorrat in der prallen Sonne auf dem Balkon lagern
- Sich allein auf öffentliche Notbrunnen verlassen
Der mit Abstand häufigste Fehler ist der letzte Punkt in der linken Spalte, oder besser sein Fehlen: Der Vorrat wird einmal angelegt und dann nie wieder angeschaut. Selbst abgefülltes Wasser, das seit drei Jahren im Keller steht, ist im Ernstfall wertlos. Ein Kalendereintrag zweimal im Jahr löst das Problem vollständig.
- 80 Liter Trinkwasser (7 Kästen Mineralwasser oder 7 Kanister à 12 Liter)
- 2 bis 3 lebensmittelechte Kanister für Brauchwasser (je 10 bis 12 Liter)
- 1 Konservierungsmittel auf Silberbasis für selbst abgefülltes Wasser
- 1 Kombipräparat mit Chlor für Wasser unklarer Herkunft
- 1 Outdoor-Wasserfilter für Oberflächenwasser
- 1 Faltkanister als Transportreserve für den Weg zur Entnahmestelle
- 1 Kochmöglichkeit ohne Strom (Gaskocher mit Kartuschen)
- Abfülldatum auf allen selbst befüllten Kanistern prüfen
- Wasser älter als 6 Monate austauschen, Kanister dabei ausspülen
- Mindesthaltbarkeitsdatum der gekauften Flaschen kontrollieren
- Behälter auf Risse, Trübung, Verfärbung und Geruch prüfen
- Haltbarkeit von Konservierungsmitteln und Filterkartuschen prüfen
- Bestand gegen die aktuelle Haushaltsgröße abgleichen
In fünf Schritten zum Wasservorrat
Personen mal 2 Liter mal 10 Tage. Für Haushalte mit älteren Menschen, Kleinkindern oder Haustieren großzügiger rechnen. Der Notvorrat-Rechner nimmt dir die Rechnung ab und deckt auch die Nahrungsseite mit ab.
Mit gekauftem Mineralwasser starten, das ist am schnellsten erledigt und am längsten haltbar. Für 20 Euro steht der Trinkwasservorrat eines Vier-Personen-Haushalts.
Kanister mit Leitungswasser füllen, konservieren, beschriften. Das kostet fast nichts und verdoppelt deine Handlungsfähigkeit bei Hygiene und Reinigung.
Ein Filter und ein Entkeimungspräparat sind die Rückfallebene, wenn der Vorrat aufgebraucht ist und du auf Wasser unklarer Herkunft angewiesen bist.
Schau nach, wo die Notbrunnen in deiner Stadt liegen, und trage den Halbjahres-Check in den Kalender ein. Damit ist die Vorsorge abgeschlossen und bleibt es auch.
Wasser ist der Baustein der Krisenvorsorge mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung. Ein Nachmittag, rund 25 Euro und zwei Kalendereinträge im Jahr genügen, damit dein Haushalt zehn Tage lang unabhängig von der öffentlichen Versorgung ist. Wenn du danach weitermachen willst, ist die BBK-Notvorrat-Liste der nächste logische Schritt, sie deckt die Lebensmittelseite ab.