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Wer ein Notstromaggregat für ein Einfamilienhaus sucht, bekommt von Händlerseiten meist eine schnelle Antwort: 8 bis 10 kW, damit alles läuft. Für die allermeisten Häuser sind das zwei Nummern zu groß. Ein Gerät dieser Klasse ist schwer, laut, teuer im Unterhalt und verbraucht auch dann Kraftstoff, wenn nur der Kühlschrank kühlt.
Diese Kaufberatung dreht die Reihenfolge um. Zuerst rechnest du aus, was in deinem Haus im Ernstfall wirklich weiterlaufen muss. Danach ergibt sich die Leistungsklasse fast von allein, und oft ist sie kleiner als gedacht. Für die grundsätzliche Technik gibt es die Kaufberatung Notstromaggregat, für das Verhalten im Ernstfall den Ratgeber Stromausfall: Was tun.
- Grundversorgung für Kühlschrank, Gefriertruhe, Heizungspumpe und Licht: etwa 2 bis 3 kW Dauerleistung.
- Ganzes Haus inklusive Elektroherd und Warmwasser: 5 bis 10 kW.
- Dauerleistung ist nicht Spitzenleistung. Anzeigen nennen oft die Spitze, der Unterschied liegt typischerweise bei rund 20 Prozent.
- Motoren ziehen beim Anlauf ein Vielfaches. Planungsregel: das Gerät mit dem größten Anlaufstrom mal drei rechnen.
- Reiner Sinus ist Pflicht. Gasthermen zünden bei verzerrter Spannung oft nicht, obwohl das Aggregat stark genug wäre.
- Betrieb ausschließlich im Freien. Garage, Keller und Carport sind lebensgefährlich, auch bei offenem Tor.
- Niemals in eine Haussteckdose einspeisen. Das ist unzulässig und kann Menschen im Netz töten.
Wie viel kW braucht ein Einfamilienhaus?
Die Rechnung selbst ist einfach: Dauerleistungen aller Geräte addieren, die gleichzeitig laufen. Dann das Gerät mit dem größten Anlaufstrom suchen, meist der Kompressor der Gefriertruhe oder die Heizungspumpe, und dessen Leistung mal drei rechnen. Der größere der beiden Werte bestimmt die nötige Dauerleistung, plus etwa 25 Prozent Reserve.
Leistungs-Rechner: Was muss dein Aggregat leisten?
Hak an, was im Ernstfall gleichzeitig laufen soll. Der Rechner addiert die Dauerleistungen, nimmt den größten Anlaufstrom mal drei und schlägt 25 Prozent Reserve auf. Die Wattwerte sind die Richtwerte aus der Tabelle oben. Verbindlich ist das Typenschild deines eigenen Geräts, und deine Auswahl bleibt nur in diesem Browser gespeichert.
Das Ergebnis des Rechners ist eine Untergrenze. Die Klassen weiter unten enthalten zusätzlich Puffer für Geräte, die man beim ersten Durchgang vergisst, und für den Leistungsverlust, den jedes Aggregat mit den Betriebsjahren zeigt.
Grundversorgung oder ganzes Haus? Zwei Wege, zwei Klassen
In den meisten Einfamilienhäusern geht es beim Notstrom nicht um Komfort, sondern um Wärme. Eine moderne Gas- oder Ölheizung braucht selbst nur 100 bis 300 Watt für Pumpe, Steuerung und Gebläse, steht ohne Strom aber komplett. Wer nur die Heizung sichert, kommt mit einem kleinen Gerät aus. Was im Winter ohne Heizung wirklich hilft, steht im Ratgeber Heizen ohne Strom.
Diesel, Benzin oder Inverter?
Gasthermen, Wärmepumpen-Steuerungen und Umwälzpumpen mit Elektronik zünden an verzerrter Spannung häufig nicht, obwohl das Aggregat rechnerisch stark genug wäre. Das ist der klassische Fall, in dem ein gekauftes Gerät im Ernstfall genau die Anlage nicht startet, wegen der es angeschafft wurde. Steht im Datenblatt kein „reiner Sinus" oder „Inverter", frag beim Händler nach, bevor du kaufst.
Für Notstromaggregate gibt es im Gegensatz zu Powerstations kaum Direktprogramme der Hersteller. Wer die Bauarten nebeneinander sehen will, findet Inverter-Stromerzeuger dieser Klasse * im Handel. Der ADAC hat am 03.09.2026 eine eigene Kaufberatung zu Notstromaggregaten veröffentlicht, die dieselben Kriterien behandelt.
Ist ein Notstromaggregat für ein Einfamilienhaus sinnvoll?
Nicht die Garage, nicht der Carport, nicht die offene Kellertür. Verbrennungsmotoren erzeugen Kohlenmonoxid, das geruchlos ist und in geschlossenen oder halboffenen Räumen tödlich wirkt. Ohne echten Außenplatz mit Abstand zu Fenstern und Lüftungsöffnungen scheidet ein Aggregat aus.
Wer nur Licht, Router, Handy und Kühlschrank braucht, kommt mit einer Powerstation leiser, wartungsfrei und ohne Kraftstofflager davon. Das Aggregat lohnt sich, sobald die Heizung dazukommt und der Ausfall länger als einen Tag dauern kann.
Ohne Vorrat läuft das Gerät nur, solange der Tank reicht. Die zulässige Lagermenge ist der eigentliche Flaschenhals, nicht die Motorleistung. Dazu unten mehr.
Die ehrlichste Frage von allen. Ein Aggregat will regelmäßig bewegt, gewartet und betankt werden, und im Ernstfall muss jemand im Haus wissen, wie es angeworfen und angeschlossen wird. Eine Powerstation braucht nichts davon.
Anschluss ans Hausnetz: nur mit Elektrofachkraft
Es gibt zwei saubere Wege. Der einfache ist der Inselbetrieb: Das Gerät steht draußen, Verlängerungskabel führen zu den einzelnen Verbrauchern. Das kostet nichts zusätzlich, ist aber unbequem und schließt fest verdrahtete Geräte wie die Heizung aus. Der zweite Weg ist die Notstromschiene: Eine Elektrofachkraft legt ausgewählte Stromkreise auf einen eigenen Verteiler mit Umschalteinrichtung. Die Heizung hängt dann mit dran, und im Ernstfall wird nur umgeschaltet und gestartet.
Erstens die Umschalteinrichtung, die eine Rückspeisung ins Netz sicher ausschließt. Zweitens die Erdung des Aggregats nach Herstellervorgabe, sonst funktioniert der Fehlerstromschutz nicht. Drittens die Anmeldung beim Netzbetreiber. Alle drei gehören in die Hand einer Elektrofachkraft, und zwar bevor das Gerät gekauft wird, nicht danach.
Der eigentliche Flaschenhals ist der Kraftstoff
Das ist die Zahl, die den Traum vom autarken Haus meist beendet. Ein Aggregat, das drei Tage durchlaufen soll, braucht je nach Last und Wirkungsgrad ein Vielfaches dessen, was privat gelagert werden darf. Praktisch heißt das: Das Gerät läuft in Intervallen, etwa zweimal am Tag für ein bis zwei Stunden, um Kühlgeräte herunterzukühlen und die Heizung durchlaufen zu lassen. So gerechnet trägt ein zulässiger Vorrat auch mehrere Tage.
Benzin altert außerdem. Ohne Stabilisator ist es nach einigen Monaten nicht mehr zuverlässig zündfähig, was im Ernstfall genauso ärgerlich ist wie ein leerer Kanister. Diesel und Flüssiggas sind hier deutlich gutmütiger. Den Rechner für den eigenen Vorrat und die Details zu Lagerung und Stabilisierung findest du in der Kaufberatung Notstromaggregat.
Wann die Powerstation die bessere Wahl ist
Die ehrliche Aufteilung sieht so aus: Kühlschrank, Gefriertruhe, Licht, Router, Handy und eine Heizungspumpe von 100 bis 300 Watt lassen sich mit einer großen Powerstation über zwei bis vier Tage tragen. Alles darüber, also Elektroherd, Warmwasser, Werkstatt oder ein Ausfall über eine Woche, ist Aggregat-Gebiet. Viele Haushalte fahren am besten mit der Powerstation als Erstlösung und einem kleinen Aggregat als Ergänzung, statt mit einem großen Gerät für alles.
Die Klasse, die im Haus die Grundversorgung trägt: rund 2.000 Wattstunden Kapazität und 2.400 Watt Dauerleistung, zum Beispiel die Anker SOLIX C2000 Gen 2 (2.048 Wh, 2.400 W, LFP-Akku). Sie läuft innen, lautlos und ohne Kraftstoff. Welche Zahl dabei worüber entscheidet, steht im Ratgeber Powerstation 2000 Watt.
Anker SOLIX C2000 Gen 2 ansehen *Notstrom ist ein Baustein, nicht der ganze Plan. Wer länger ohne Netzstrom auskommen muss, kennt auch die nächste Notdienst-Apotheke, das nächste Krankenhaus mit Notstromversorgung und den nächsten Notbrunnen. Dazu ein Notvorrat für mindestens zehn Tage nach der Empfehlung des Bundesamts für Bevölkerungsschutz.
Unterm Strich: Rechne zuerst, kaufe danach. Die Leistungsklasse, die aus einer ehrlichen Geräteliste folgt, liegt bei den meisten Einfamilienhäusern zwischen 2 und 3 kW und damit deutlich unter dem, was Händlerseiten empfehlen. Das gesparte Geld steckt besser in einer sauberen Elektroinstallation und in einem Kraftstoffvorrat, der wirklich zulässig ist.