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Ein Notstromaggregat ist die Anschaffung, bei der die meisten Fehlkäufe passieren. Nicht weil die Geräte schlecht wären, sondern weil drei Fragen vor dem Kauf nicht beantwortet werden: Wie viel Leistung brauche ich wirklich, wie viel Kraftstoff darf ich überhaupt lagern, und wie schließe ich das Ding an, ohne jemanden zu gefährden.
Diese Kaufberatung beantwortet genau diese drei Fragen. Sie ist für Privathaushalte geschrieben, nicht für Fachbetriebe. Wenn du nach dem Lesen zu dem Schluss kommst, dass ein Verbrennungsaggregat für deine Wohnsituation gar nicht passt, hat die Seite ihren Zweck erfüllt. Für die Akku-Alternative gibt es die Kaufberatung Powerstation, für das Verhalten im Ernstfall den Ratgeber Stromausfall: Was tun.
- Grundversorgung für Kühlschrank, Gefriertruhe, Heizungspumpe und Licht liegt bei etwa 2 bis 3 kW Dauerleistung. Ein ganzes Einfamilienhaus braucht 5 bis 10 kW.
- Dauerleistung ist nicht Spitzenleistung. Anzeigen nennen oft die Spitze. Der Unterschied liegt typischerweise bei rund 20 Prozent.
- Motoren ziehen beim Anlauf ein Vielfaches. Als Planungsregel: das Gerät mit dem größten Anlaufstrom mal drei rechnen.
- Reiner Sinus ist für Elektronik Pflicht. Gasthermen zünden bei verzerrter Spannung oft nicht, obwohl das Aggregat stark genug wäre.
- Der Kraftstoff begrenzt dich, nicht der Motor. In einer Kleingarage sind meist nur 20 Liter Benzin erlaubt, das sind je nach Verbrauch 10 bis 40 Betriebsstunden.
- Betrieb ausschließlich im Freien. Garage, Keller und Carport sind lebensgefährlich, auch bei offenem Tor.
- Niemals in eine Haussteckdose einspeisen. Das ist unzulässig und kann Menschen im Netz töten.
Brauchst du überhaupt ein Notstromaggregat?
Die ehrliche Vorabprüfung besteht aus drei Fragen:
Die vier Gerätetypen und wofür sie taugen
| Typ | Stärke | Schwäche | Passt für |
|---|---|---|---|
| Konventioneller Generator | Viel Dauerleistung fürs Geld | Laut, verzerrte Spannung (Klirrfaktor oft 5 bis 25 Prozent) | Werkzeug, Pumpen, Heizlüfter |
| Inverter-Generator | Leise, sparsam, saubere Spannung (typisch unter 3 Prozent) | Teurer pro Watt, meist kleinere Leistungen | Elektronik, Heizung, Kühlgeräte |
| Powerstation (Akku) | Kein Lärm, keine Abgase, auch drinnen nutzbar, solarfähig | Begrenzter Energievorrat, muss nachgeladen werden | Wohnung, kurze Ausfälle, Elektronik |
| Feste Einspeisung ins Hausnetz | Ganzes Haus versorgt, komfortabel | Nur vom Elektrofachbetrieb, Umschalteinrichtung nötig | Einfamilienhaus, Dauerlösung |
Für die meisten Privathaushalte läuft es auf Inverter-Generator oder Powerstation hinaus. Der konventionelle Generator ist günstig pro Watt, aber seine verzerrte Ausgangsspannung macht ihn für genau die Geräte problematisch, wegen denen man ihn kauft: Heizungssteuerung, Router, moderne Kühlgeräte.
Wie viel Leistung du wirklich brauchst
Was deine Geräte ziehen
| Gerät | Dauerleistung | Anlaufstrom? |
|---|---|---|
| Kühlschrank | 80 bis 150 W im Kompressorlauf | ja, kurzzeitig deutlich höher |
| Gefriertruhe | vergleichbar Kühlschrank | ja |
| Heizungspumpe, Hocheffizienz | unter 20 W | kurze Spitze |
| Heizungspumpe, älter/ungeregelt | 30 bis 80 W, Altbestand bis 140 W | ja |
| Gasbrennwerttherme komplett | 30 bis 100 W modern, 150 bis 300 W ältere Anlage | über die Pumpe |
| Router | 10 bis 15 W | nein |
| LED-Licht, drei Räume | etwa 60 W | nein |
| Laptop | etwa 80 W | nein |
| Wasserkocher | etwa 2.000 W | nein |
Die Werte streuen je nach Gerät erheblich. Verbindlich ist immer das Typenschild deines eigenen Geräts. Wer es genau wissen will, misst mit einer Energiemesssteckdose nach.
Der Rechenweg
Klassen für die Kaufentscheidung
| Klasse | Dauerleistung | Deckt ab |
|---|---|---|
| Minimalversorgung | 1,0 bis 1,5 kW | Licht, Router, Handy, Laptop, zeitweise Kühlschrank |
| Grundversorgung | 2 bis 3 kW | Kühlschrank, Gefriertruhe, Heizungspumpe, Licht, Kommunikation mit Anlaufreserve |
| Komfort inklusive Kochen | 4 bis 6 kW | zusätzlich Wasserkocher, Kochplatte, kleinere Maschinen |
| Ganzes Einfamilienhaus | 5 bis 10 kW | pauschale Hausversorgung, meist stationär |
Reiner Sinus und der Heizungs-Fall
Der Klirrfaktor, kurz THD, beschreibt, wie stark die Ausgangsspannung von der sauberen Sinuskurve des öffentlichen Netzes abweicht. Inverter-Geräte liegen typischerweise unter 3 Prozent, konventionelle Generatoren bei 5 bis 25 Prozent.
Zwei Einschränkungen, damit hier nichts falsch hängen bleibt: Auch ein Inverter kann Spannungsspitzen erzeugen, und das Wort „Inverter" auf der Verpackung ist keine Garantie für einen niedrigen Klirrfaktor. Der Wert steht im Datenblatt. Steht er dort nicht, frag beim Hersteller nach.
Kraftstoff: was du legal lagern darfst
Das ist der Punkt, an dem die meisten Kaufberatungen aufhören, und gleichzeitig der, der über die tatsächliche Ausdauer deines Aggregats entscheidet.
| Ort | Übliche Obergrenze |
|---|---|
| Kleingarage bis 100 m² | bis 20 Liter Benzin, bis 200 Liter Diesel, in dicht verschlossenen bruchsicheren Behältern |
| Tiefgarage, Mittel- und Großgaragen | Aufbewahrung außerhalb von Fahrzeugen grundsätzlich unzulässig |
| Wohnung | etwa 1 Liter |
| Keller | etwa 20 Liter für den gesamten Kellerbereich, nicht je Abteil |
| Dachboden, Treppenhaus, Hausflur | unzulässig |
Erlaubt sind ausschließlich zugelassene Kraftstoffkanister mit Zulassungskennzeichen. Kunststoffkanister ersetzt man nach rund zehn Jahren, Metallkanister prüft man auf Rost. Haushaltsübliche Kannen oder Eimer sind unzulässig.
Dazu kommt die Haltbarkeit: Benzin altert im Kanister deutlich schneller als Diesel. Wer einen Vorrat hält, muss ihn rotieren, also regelmäßig verbrauchen und neu befüllen. Gas ist in dieser Hinsicht am unkompliziertesten.
Sicherheit: die zwei Fehler, die Menschen töten
Kohlenmonoxid
Abgasschläuche als Bastellösung sind gefährlich, weil Vibration sie lösen kann und eine Verstopfung zum Rückstau führt. Stell das Gerät so auf, dass Abgase nicht über Fenster, Türen, Lüftungsöffnungen oder Lichtschächte ins Haus ziehen können. Ein batteriebetriebener CO-Melder in den nächstgelegenen Räumen ist sinnvoll. Rauchmelder erkennen Kohlenmonoxid nicht.
Rückspeisung ins Hausnetz
Zulässig ist ausschließlich eine Umschalteinrichtung mit sicherer Netztrennung, ausgeführt nach DIN VDE V 0100-551-2. Alles, was fest mit der Hausinstallation verbunden wird, gehört in die Hände eines Elektrofachbetriebs, der im Installateurverzeichnis deines Netzbetreibers eingetragen ist. Als Laie darfst du das Gerät im Freien aufstellen und einzelne Verbraucher über eine Kabeltrommel anschließen. Mehr nicht.
Erdung und FI-Schalter, richtig erklärt
Hier steht in vielen Ratgebern schlicht Falsches. Es gibt nicht die eine richtige Antwort, denn sie hängt davon ab, wie dein Generator aufgebaut ist. Maßgeblich ist immer die Betriebsanleitung.
Viele kleine mobile Aggregate arbeiten wie ein Trenntrafo und sind bewusst nicht geerdet. Ein Erdspieß ist dann nicht erforderlich, und ein nachgerüsteter FI wirkt nicht. Die Schutzwirkung entfällt sogar, wenn du eigenmächtig erdest.
Damit ein FI auslösen kann, muss der Sternpunkt geerdet und das Gehäuse an Erdpotential sein. Im erdfreien Inselbetrieb ist ein FI wirkungslos.
Manche tragbaren Erzeuger prüfen die Isolation über eine Prüftaste. Ein Erdspieß ist dort nicht vorgesehen.
Für Gasheizungen ist dieser Punkt entscheidend: Mindestens ein großer Hersteller verlangt für den Netzersatzbetrieb ein Aggregat mit geerdetem Sternpunkt, also ohne Schutztrennung. Genau daran scheitern viele Selbstversuche. Die Therme geht an, der Brenner zündet nicht. Wer sein Aggregat für die Heizung kauft, klärt das vor dem Kauf mit dem Heizungshersteller.
Wartung, damit das Gerät nach Jahren anspringt
Ein Notstromaggregat ist eine Versicherung, die nur funktioniert, wenn sie gewartet wird. Der häufigste Grund für Totalausfall im Ernstfall ist gealterter Kraftstoff im Vergaser.
Recht: Anmeldung, Lärm, Mietwohnung
Für ein mobiles Aggregat, das du gelegentlich im Freien betreibst, brauchst du in der Regel keine Genehmigung. Sobald das Gerät fest mit der Hausinstallation verbunden wird, gelten andere Regeln, und der Elektrofachbetrieb übernimmt die Abstimmung mit dem Netzbetreiber.
Beim Lärm gilt das übliche Rücksichtnahmegebot der Nachbarschaft, insbesondere die Nachtruhe. Ein konventioneller Generator ist deutlich lauter als ein Inverter-Gerät. Wer in dichter Bebauung wohnt, sollte das vor dem Kauf einkalkulieren.
In einer Mietwohnung ohne eigenen Außenbereich ist ein Verbrennungsaggregat praktisch nicht sicher zu betreiben. Dort bleibt die Powerstation die realistische Lösung.
Für Wohnungen, Etagenwohnungen und alle, die keinen sicheren Platz im Freien haben, ist ein Verbrennungsaggregat keine Option. Powerstations mit reinem Sinus-Wechselrichter und LiFePO4-Zellen decken Licht, Router, Kommunikation und zeitweise den Kühlschrank ab, ohne Abgase und ohne Kraftstofflager.
Anker SOLIX ansehen *Wer Kühlgeräte und Heizungspumpe über mehrere Stunden versorgen will, braucht Kapazität statt Spitzenleistung. Achte auf reinen Sinus, LiFePO4-Zellen und Solarpanel-Anschluss für längere Ausfälle.
EcoFlow ansehen *Passend dazu: Bei einem längeren Ausfall ist Strom nur ein Teil des Problems. Trinkwasser findest du über die Notbrunnen-Karte und die Trinkwasserquellen in deiner Stadt.