Anzeige. Dieser Ratgeber enthält Links zu Händlern. Kaufst du darüber, erhalten wir eine Provision, für dich ändert sich am Preis nichts. Wir testen keine Produkte selbst, die Auswahl beruht auf Produktmerkmalen und Recherche. Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.
Ein Kurbelradio kauft man nicht wegen der Kurbel. Man kauft es, weil es der einzige Empfänger im Haushalt ist, der noch funktioniert, wenn das Stromnetz ausfällt und das Handy nach ein paar Stunden „Kein Netz" anzeigt. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, welches Gerät in einem Vergleich vorne liegt, sondern eine andere: Was kannst du damit im Ernstfall überhaupt noch empfangen?
Diese Seite beantwortet genau das. Sie nennt keinen Testsieger, weil wir nicht testen. Sie erklärt stattdessen, welche Sendernetze im Stromausfall weiterlaufen, warum UKW dabei die robustere Technik ist, wie viel Hörzeit eine Minute Kurbeln tatsächlich liefert und welche Merkmale du am Gerät nachprüfen kannst, bevor du bezahlst.
- Das BBK empfiehlt ein batteriebetriebenes Radio oder Kurbelradio, um bei einem langanhaltenden Stromausfall Mitteilungen der Behörden zu verfolgen. Eine Modellempfehlung gibt es von keiner Behörde.
- Warn-App und Cell Broadcast hängen am Mobilfunknetz. Für dessen Notstromversorgung gibt es keine bundesweit einheitliche Vorgabe, die Angaben reichen von etwa 30 Minuten bis zu wenigen Stunden.
- Die großen Rundfunk-Senderstandorte haben eigene Notstromaggregate. Beim Bayerischen Rundfunk sind die Dieselvorräte an den Senderstandorten für rund sieben Tage ausgelegt.
- UKW schlägt DAB+ im Ernstfall bei Flächendeckung, Gebäudedurchdringung und Stromverbrauch. DAB+ hat dafür die automatische Warnfunktion, die aber kaum ein handelsübliches Gerät unterstützt.
- Die Kurbel ist die Reserve, nicht der Antrieb. Sie liefert grob 1,5 bis 3 Watt in den Akku. Getragen wird der Betrieb vom Akku, und noch besser von gewöhnlichen Batterien im Ersatzfach.
- Notiere die Frequenz deines regionalen Senders auf Papier. Ohne Netz gibt es keine Suchmaschine, die sie dir nennt.
Warum ausgerechnet Radio, wenn jeder ein Handy hat
Deutschland warnt seine Bevölkerung nicht über einen Kanal, sondern über einen Mix: Sirenen, Cell Broadcast, Warn-Apps wie NINA, Rundfunk, Fernsehen, Anzeigetafeln. Das BBK betont ausdrücklich, dass Cell Broadcast nur ein Baustein in diesem Mix ist und die anderen Wege nicht ersetzt. Jeder dieser Wege hat eine andere Schwachstelle, und im Stromausfall fallen sie nacheinander aus.
Der Unterschied ist keine Kleinigkeit. Das Behördennetz für Polizei und Feuerwehr wird gerade auf mindestens 72 Stunden Notstrom an über 3.800 Standorten ausgebaut, weil man dort weiß, was ein längerer Ausfall bedeutet. Für die zivilen Mobilfunknetze gibt es keine vergleichbare bundesweite Vorgabe. Die Netzbetreiber sprechen von Batteriepuffern für „einige Stunden", andere Einschätzungen liegen bei 30 Minuten bis wenigen Stunden, und bei hoher Auslastung wird es weniger. Genau diese Auslastung entsteht, wenn nach einem Ausfall alle gleichzeitig telefonieren.
„Halten Sie ein batteriebetriebenes Radio oder Kurbelradio bereit, damit Sie bei einem langanhaltenden Stromausfall Mitteilungen der Behörden verfolgen können." Das BBK empfiehlt zusätzlich ausreichend Ersatzbatterien und nennt Solarradio und Autoradio als Alternativen.
Was im Blackout überhaupt noch sendet
Wenn ein Land seine Bevölkerung im Katastrophenfall über den Rundfunk erreichen will, muss die Sendeseite funktionieren. Deshalb sind die großen Senderstandorte anders ausgestattet als ein Mobilfunkmast auf einem Wohnhausdach: eigenes Notstromaggregat, eigener Kraftstoffvorrat, redundante Zuführung. Ein einziger solcher Standort deckt eine ganze Region ab.
Reichweite über 100 Kilometer je Standort, Notstromaggregat vor Ort. Ein Ausfall deiner Straße oder deines Stadtteils betrifft die Ausstrahlung überhaupt nicht.
So sind die Vorräte an den Senderstandorten des Bayerischen Rundfunks ausgelegt. Andere Anstalten planen ähnlich, verbindlich ist die Angabe der jeweiligen Anstalt.
Jedes Bundesland hat ein Hörfunkprogramm bestimmt, über das amtliche Durchsagen laufen. In Bayern ist das Bayern 1. Die Frequenz unterscheidet sich je nach Empfangsort.
UKW oder DAB+: der Unterschied, der im Ernstfall zählt
Im Alltag ist DAB+ die bessere Technik: mehr Programme, kein Rauschen, Zusatzinformationen im Display. Im Stromausfall drehen sich drei Punkte um.
| Kriterium | UKW | DAB+ |
|---|---|---|
| Flächendeckung | praktisch überall in Deutschland | gut ausgebaut, aber nicht lückenlos |
| Empfang im Keller | besser, weil niedrigere Frequenz (87,5 bis 108 MHz) | schwächer, Band III liegt bei 174 bis 240 MHz |
| Stromverbrauch | gering, der Decoder fehlt | rund doppelt so hoch bei gleicher Lautstärke |
| Automatische Warnung | nein, du musst einschalten | möglich über die Warnfunktion, aber selten eingebaut |
| Verhalten bei schwachem Signal | rauscht, bleibt aber verständlich | bricht ab, dann ist Stille |
Der letzte Punkt wird oft übersehen und ist im Ernstfall der unangenehmste. Ein analoges Signal wird schlechter und schlechter, du hörst aber weiter, was gesagt wird. Ein digitales Signal ist bis zu einer Schwelle perfekt und danach weg. Wer im Keller sitzt oder am Rand des Versorgungsgebiets wohnt, hört mit UKW ein verrauschtes Programm und mit DAB+ gar nichts.
Was eine Minute Kurbeln wirklich bringt
Der Name führt in die Irre. Die Kurbel ist nicht der Antrieb des Geräts, sondern die letzte Reserve, wenn der Akku leer ist und keine Sonne scheint. Wer plant, sein Radio dauerhaft per Hand zu betreiben, hat nach einer Stunde Kurbeln für zwei bis drei Stunden Programm gearbeitet. Das ist im Notfall machbar, aber es ist kein Betriebskonzept.
Rechne selbst nach, mit deiner Hörgewohnheit und der Kapazität deines Geräts. Der Rechner nutzt Richtwerte für kompakte Notfallradios, die Größenordnung stimmt für die allermeisten Geräte.
Kurbel-Rechner: Akku, Hörzeit, Kurbelminuten
Stell ein, wie lange du am Tag hören willst und womit. Der Rechner zeigt, wie viele Tage der geladene Akku trägt und wie viel du danach täglich kurbeln müsstest. Die Watt-Werte sind Richtwerte für kompakte Notfallradios, dein Gerät kann abweichen.
Die Kapazität steht meist auf dem Gerät oder in der Anleitung. Übliche Notfallradios liegen zwischen 600 und 4.000 mAh. Wenn du sie nicht findest, lass 2.000 stehen.
Das Solarpanel auf der Oberseite ist eine Ergänzung, keine zweite Stromquelle. Die verbauten Zellen sind wenige Quadratzentimeter groß und laden den Akku bei gutem Wetter über einen ganzen Tag meist nicht voll. Als Erhaltungsladung während das Gerät auf der Fensterbank liegt ist das nützlich. Als Plan für die Versorgung taugt es nicht.
Woran du ein brauchbares Gerät erkennst
Wir testen keine Geräte und nennen deshalb keinen Sieger. Die folgenden Merkmale kannst du aber vor dem Kauf im Datenblatt nachlesen, und sie entscheiden im Ernstfall mehr als jede Bewertung.
- UKW-Empfang vorhanden, nicht nur DAB+. Im Zweifel das Gerät mit beidem.
- Fach für gewöhnliche Batterien zusätzlich zum fest verbauten Akku. Das ist das wichtigste Einzelmerkmal, weil es dich vom Zustand des Akkus unabhängig macht.
- Ladung über USB-C, damit dasselbe Kabel wie am Handy passt.
- Teleskopantenne statt Kopfhörerkabel als Antenne. Letzteres zwingt dich zum Kopfhörer.
- Akkukapazität in mAh angegeben. Fehlt die Angabe, ist sie meist klein.
- Ausgang zum Laden des Handys, wenn das Gerät auch als Notfall-Powerbank dienen soll.
- Lampe mit eigenem Schalter, damit sie sich nicht in der Tasche einschaltet und den Akku leert.
- Angabe zur Laufzeit bei UKW und bei DAB+ getrennt. Wer nur einen Wert nennt, meint den günstigeren.
- Gerät mit Batteriefach, dazu ein Satz Batterien im Vorrat
- Alle drei Monate einmal einschalten und den Akku nachladen
- Frequenzliste des eigenen Landkreises daneben legen
- Standort festlegen, an dem es im Dunkeln zu finden ist
- Kopfhörer dazulegen, das spart im Betrieb spürbar Strom
- Gerät kaufen, einmal auspacken und in die Schublade legen
- Auf das Solarpanel als Hauptversorgung setzen
- Nur DAB+ kaufen, weil UKW als veraltet gilt
- Sich auf die automatische Warnfunktion verlassen, ohne dass sie im Datenblatt steht
- Bluetooth-Lautsprecher-Funktionen als Kaufgrund werten, sie kosten nur Strom
Wir verlinken bewusst auf Suchergebnisse statt auf ein bestimmtes Modell, weil wir nicht testen und die Angebote sich ständig ändern. Achte in der Liste auf die Merkmale aus der Checkliste oben: UKW zusätzlich zu DAB+, ein Fach für gewöhnliche Batterien, USB-C und eine angegebene Akkukapazität. Batterien gehören daneben, denn ein Akku, der drei Jahre ungenutzt liegt, ist im Ernstfall der schwächste Teil des Geräts.
Die vier häufigsten Denkfehler
Was du heute erledigen kannst
Wer über das Radio hinaus Strom im Haus halten will, findet die beiden Wege dorthin in der Kaufberatung Powerstation und in der Kaufberatung Notstromaggregat, dort jeweils mit Rechnern für Bedarf und Laufzeit. Für ein Radio allein braucht es beides nicht: Es läuft mit einer Handvoll Watt.
Passend dazu: Bei einem längeren Ausfall wird Trinkwasser schnell zum größeren Problem als Information. Öffentliche Entnahmestellen findest du über die Notbrunnen-Karte und die Trinkwasserquellen in deiner Stadt.